Schiller und die Gesundheitsräuber – Straßentheater macht hier Station

Die Gruppe Schluck & weg beleuchtet die TBC-Problematik mit einer skurrilen Komödie/Die Vorstellung am 26. September 2017 um 12:30 Uhr im Foyer ist öffentlich.

Noch immer tötet die Armutskrankheit Tuberkulose weltweit knapp zwei Millionen Menschen jährlich – mehr als jede andere Infektionskrankheit. Inzwischen verschlechtern sich auch die Therapieoptionen zusehends – immer mehr Infektionen werden von mehrfachresistenten TB-Bakterien ausgelöst. Und dagegen gibt es dann halt kaum mehr ausreichend wirksame Arzneimittel, z. B. Antibiotika. Wird in diesem Bereich überhaupt intensiv geforscht oder werden diese Mittel für wirtschaftlich „interessantere“ Krankheiten eingesetzt? Interessant z. B., weil die TB-Kranken in Afrika kaum Geld für den Arzneimittel-Kauf haben, während für Tumorpatienten in Westeuropa dramatisch höhere Kosten finanziert werden können?

Die Bakterien Tuberko und Losi sind frustiert: ihre Erfolgsquote in Deutschland ist miserabel: Kaum Neuinfektionen und so gut wie keine Todesfälle. Früher lief es viel besser für die bei-den. Die beiden lassen sich von Frau Armut für einen lukrativen Job im globalen Süden engagieren. Die Perspektiven sind glänzend! Ob sich ihr Siegeszug dort überhaupt aufhalten lässt?

Schluck & weg will spielt mehrmals an diesem Tag vor verschiedenen Klassen am KBSZ Ellwangen und in der Mittagspause auch für die Öffentlichkeit. Besucher sind also herzlich willkommen. Die Gruppe will mehr öffentliche Aufmerksamkeit für die tödliche Seuche wecken und zugleich eine Diskussion zu ethische Fragen zum Funktionieren des Gesundheitssystems provozieren. Mit schrägem Humor, verrückten Kostümen und viel Esprit beleuchten die LaiendarstellerInnen verschiedene Facetten der weltweiten Verbreitung. Ihr Stück basiert auf epidemiologischen Daten, die in den entsprechenden Kontext gesetzt werden. Dabei ist dieses Thema durchaus aktuell auch in Europa. Allerdings oft mit ziemlich verquerer Wahrnehmung. Die Angst, sich hier zu infizieren, war im Herbst 2015 durch die vielen Flüchtlinge sofort ein Thema für die Presse. Doch wenn man überlegt, dass die Zahl der Tuberkulose-Kranken in den ärmeren Stadtteilen von London oft so hoch oder höher ist wie in verschiedenen Staaten Westafrikas, dann ist es in Bezug auf eine TB-Ansteckung gefährlicher, sich in London zu bewegen als mit Flüchtlingen in der LEA zu arbeiten. Stand das vor den Olympischen Spielen 2012 in der Zeitung, steht das vor der nächsten Studienfahrt überhaupt zur Debatte? Und weshalb ist das so?

Ohne eine effektive Armuts-Bekämpfung, ohne Investitionen zur Forschung neuer Diagnostika, Therapien oder eines wirksamen Impfstoffs, die dann auch zu bezahlbaren Preisen gehandelt werden, wird der WHO-Plan, die Krankheit bis 2030 zu besiegen, nicht realisierbar sein.

Schluck & weg ist eine Aktion der BUKO Pharma-Kampagne in Bielefeld. Seit rund 30 Jahren bringt die Theatergruppe ungesunde Pharmageschäfte in Nord und Süd auf die Straße. Die ehrenamtlichen Akteure treten auf öffentlichen Plätzen und Schulhöfen auf. Nach den 20-minütigen Auftritten stehen sie dem Publikum Rede und Antwort. Infomaterial ist kostenlos erhältlich.

Die Gruppe spielt in Hamm, Düsseldorf, Krefeld, Würzburg, München, Augsburg, Frankfurt, Aachen, Dortmund, Münster und am 26.09.2017 in Ellwangen.

 

 

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