Wertvolle Auslandserfahrung für Azubis

Mit dem Projekt „Go for Europe“ erleben zwei Schüler des Kreisberufsschulzentrums Ellwangen vier Wochen lang die Arbeitswelt in Irland – Hildtrud-Tochtermann-Stiftung unterstützt mit Fördergeldern.

„Für Studierende ist es heute ganz normal, ein Auslandssemester zu machen. Wir wollen diese Erfahrung auch Auszubildenden ermöglichen“, erläutert Monika Baer, die Projektleiterin von „Go for Europe“, einem Projekt der Beratungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft für Handwerk und Mittelstand. Rico Scheunert und Hans Hermann, Auszubildende im zweiten Lehrjahr zum Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizung und Klima, haben diese Chance ergriffen und vier Wochen in Irland verbracht. „Grandios“, lautet das Fazit der 18-Jährigen nach der Rückkehr aus Tralee, einer 25.000-Einwohner-Stadt im Südwesten Irlands. „Ich bin richtig ins Englisch-Sprechen reingekommen“, sagt Scheunert. Eine Woche Sprachkurs zu Beginn, dann drei Wochen Mitarbeit in Handwerksbetrieben vor Ort: Das ist das Konzept der Projektreisen, um sowohl Sprachkenntnisse als auch Einblicke in die Berufswelt im europäischen Ausland zu vermitteln. „Der Sprachunterricht war praxisnah und total locker gestaltet und nachmittags konnten wir noch die Region kennenlernen“, erzählt Rico Scheunert, der danach in einem 30-Mann-Betrieb sein erlerntes Können einsetzen durfte. In der letzten Woche war er mit einem Kundendienstler unterwegs in der Region und gewann so noch mehr Eindrücke von Land und Leuten. Hans Hermann erlebte „entspanntes, kreatives“ Handwerken in einem Drei-Mann-Betrieb. „Es war interessant, diese Arbeitswelt kennenzulernen“, sagt er.

„Die Betriebe merken ziemlich schnell, dass unsere Auszubildenden bereits großes handwerkliches Können mitbringen“, berichtet Monika Baer aus ihrer Erfahrung, „unsere Azubis sind fit.“ Das müssen sie auch im Vorfeld der Projektzeit beweisen, denn um im Ausland die nötigen Praktikumsplätze bekommen zu können, müssen Interessierte einen Lebenslauf mit Motivationsschreiben aufsetzen – in Deutsch und Englisch. Auch das hilft, Sprachkenntnisse zu verbessern.

Mit den Auslandsaufenthalten soll dazu beigetragen werden, die Ausbildungsberufe im Handwerk noch attraktiver zu gestalten, um mehr junge Menschen anzusprechen. Die heimischen Betriebe – in diesem Fall Hümer Haustechnik aus Aalen-Fachsenfeld und Linus Kogel Heizung + Sanitär aus Abtsgmünd – verzichten für die Zeit auf ihre Mitarbeiter, die selbst bis zu 550 Euro Eigenbeteiligung für die Reise in Kauf nehmen müssen, ihre Ausbildungsvergütung aber ganz normal weiter beziehen. Um die finanzielle Belastung zu senken, hat Richard Keck, betreuender Lehrer am Kreisberufsschulzentrums Ellwangen (KBSZ), die Hiltrud-Tochtermann-Stiftung als Unterstützer gewinnen können. „Wir wollen etwas bieten, um die jungen Leute zukunftsfähig zu machen“, sagt Prof. Dr. Kurt Bohner, Vorstandsmitglied der Stiftung und Schulleiter der gleichnamigen Technikerschule in Stuttgart. Mit je 200 Euro als Stipendium wurden die Reisen bezuschusst.

KBSZ-Schulleiter Peter Lehle freut sich über diese Möglichkeit der Zusatzqualifizierung seiner Schüler. Die Kontakte ins europäische Ausland sieht er als indirekte „Werbung für die duale Ausbildung in Deutschland“. So sollen auch in Zukunft regelmäßig Auszubildende aus Ellwangen über die Reisen mit „Go for europe“ ins Ausland kommen. Die Möglichkeiten gibt es für alle Berufsgruppen des Handwerks und in verschiedene Länder. Wer sich für einen Auslandsaufenthalt über Go for europe interessiert, findet im Netz weitere Informationen unter www.goforeurope.de.

Foto oben (v.l.): Schulleiter Peter Lehle, Monika Bear (go for europe), Richard Keck, Rico Scheunert (Fa. Linus Kogel), Steffen Hümer, Hans Hermann (Fa. Hümer Haustechnik), Prof. Dr. Kurt Bohner (Tochtermann-Technikerschule Stuttgart)

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