Gäste aus Bosnien-Herzegowina und der Ukraine am KBSZ

Das EU-Förderprojekt „VET School Partnership Network“ wird vom Staatsministerium Baden-Württemberg getragen. Für dieses Teilprojekt der Donau-Charta der EU hat das Land die Patenschaft übernommen, um damit die Möglichkeiten einer dualen Ausbildung am praktischen Beispiel zu zeigen. Ellwangen hat mit der Europäischen Ausbildungsakademie (EATA) auf dem Konversionsgelände der ehemaligen Reinhardt-Kaserne und mit dem breit über alle drei Berufsschul-Typen aufgestellten Kreisberufsschulzentrum zwei Vorzeige-Objekte, die das Staatsministerium und die von ihm beauftragte European Foundation for Education gerne als Multiplikatoren nutzen.

Zu Gast waren diesmal Schulen und Firmenvertreter aus den bosnischen Städten Sarajevo, Orašje und Gradiška und Schulvertreter aus der westukrainischen Stadt Ternopil. Zum Netzwerk gehören auch die Kaufmännische Schule in Geislingen/Steige und die Robert-Bosch-Schule in Ulm. Schulleiter Peter Lehle und Fachleiterin Esther Hoffmann waren im Oktober in Sarajevo zur Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages und jetzt Gastgeber in Ellwangen.

Bürgermeister Volker Grab hat die Teilnehmer auch im Namen des Ostalbkreises als Schulträger begrüßt. EATA-Geschäftsführerin Dorothea Ewers zeigte die Unterstützungsmöglichkeiten dieser Einrichtung vor allem für den Spracherwerb auf – das ist notwendige Startvoraussetzung für einen Erfolg in der deutschen Ausbildungslandschaft. André Louis von der IHK Ostwürttemberg, Martin Pietschmann von der Handwerkskammer Ulm und Karl-Heinz Fidelak von der Agentur für Arbeit informierten über die organisatorische Begleitung der dualen Ausbildung aus Sicht ihrer Organisationen. Ausbildungsverantwortliche aus ganz unterschiedlichen Bereichen der Ellwanger Wirtschaft begründeten das nachhaltige und durchgehende Interesse ihrer Betriebe an dieser Form der Ausbildung und Nachwuchsgewinnung: Michael Holl für die VR Bank Ellwangen eG, Tina Betzold mit ihrer Auszubildenden Jana Vaas für die Arnulf Betzold GmbH mit Schwerpunkt E-Commerce und Versandhandel, Elke Dörrer für die Pflegeeinrichtung Schönbornhaus, Simon Rupp und Philipp Lechner für den gewerblich wie kaufmännisch ausbildenden Energieversorger EnBW ODR, Josef Müller für die Justizverwaltung an den Ellwanger Gerichten und Peter Stelzer mit seinem Flaschnereibetrieb und Thomas Mezödi für das Handwerk.

Ein Rundgang durch entsprechende Klassen am KBSZ gab praktische Eindrücke vom Arbeiten im schulischen Teil der Ausbildung. Intensiv wurde dort nachgefragt von Seiten der Netzwerkpartner. Die Schülerinnen und Schüler standen genauso Rede und Antwort wie die Lehrerinnen und Lehrer. Herzlichen Dank an alle Beteiligten für diese tolle Unterstützung!
Schnell waren auch da die spezifischen Vorteile des Systems das Thema. Ausbildungsvergütungen zum Beispiel sind für die Betriebe zwar ein Kostenfaktor, aber auch ein Marketing-Argument auf der Suche nach Nachwuchs. Die Einstellung von Auszubildenden wird deshalb auch nicht beliebig getätigt, sondern ist orientiert am voraussichtlichen Bedarf des Betriebes. Diese Passung verspricht hohe Übernahmequoten nach der Ausbildung – ein ganz wesentlicher Grund für eine geringe Jugendarbeitslosigkeit. Diese Ausbildungsvergütung macht eine duale Ausbildung zugleich attraktiv für die jungen Menschen – es wird gleich etwas verdient.

Dr. Ágnes Sebestyén, Projektdirektorin des vom Kolping Bildungswerk in Zusammenarbeit mit der European Foundation for Education getragenen Programms, zeigte sich überzeugt, dass die in Ellwangen erlebten Beispiele dualer Ausbildungsformen als „Inspirationsquelle für bilaterale Projekte“ dienen könnten: Viele Eindrücke in konkrete Maßnahmen könnten so vermittelt werden. „Kleine Lösungen, die man im eigenen Kontext umsetzen kann.“ Aufgabe der deutschen Partnerschulen bleibt es, da weiter „best practice“-Beispiele anzubieten.

Anderntags führte die Delegationsreise dann zu diesen Ellwanger Betrieben, um deren Ausbildungsarbeit vor Ort kennen zu lernen. Auf die geplanten Besuche in Pflegeeinrichtungen – St. Anna – Virngrund-Klinik und Schönbornhaus standen eigentlich auf dem Programm – musste da schon gefährdungsbedingt verzichtet werden.

Sehr positiv waren die Rückmeldungen der Gäste, die durch eigenen Augenschein wahrnehmen konnten, dass die duale Ausbildung in Süddeutschland nicht einfach nur eine Möglichkeit ist, sondern sich konsequent als Grundstruktur durch die berufliche Bildung zieht. Es war für sie nachzuvollziehen, dass hier die konkrete Nachfrage der Wirtschaft – festgestellt anhand der tatsächlich abgeschlossenen Ausbildungsverträge – passgenau durch die beruflichen Schulen bedient wird. Das ist ein guter Schutz gegen Jugendarbeitslosigkeit. Umgekehrt ist das in Bosnien, in der Ukraine, aber auch in etlichen anderen Ländern des Donau-Raumes das Problem: wo diese Passung nicht gelingt, gelingt zwar Bildung, führt aber noch zu oft nicht in Arbeit. Im Hochschulbereich ist das selbst in Deutschland zu wenig gut gelöst.

Info: VET steht für Vocational Education Training, bezeichnet also das berufliche Bildungswesen. Das VET-Projekt wurde im Rahmen einer EU-Initative zur Stärkung des Donauraums ins Leben gerufen. Nach einem Austausch mit Kroatien 2018/2019 ist nun Bosnien das Zielland dieser vom Staatsministerium Baden-Württemberg geförderten Partnerschaft .

Bild: Nein – nicht die Infektionsgefährdung durch Corona! Das war der Besuch der Delegationen bei den pharmazeutisch-technischen Assistenten, die hier die Herstellung steriler Arzneiformen trainieren.

Bild: Schutz vor Infektionen ist in der Altenpflege immer Thema – hier wird das ganz direkt als Ausbildungsinhalt am Pflegebett demonstriert.

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